“ Das stinkt ja wie die Pest!” Diesen Ausspruch hören wir hin und wieder mal, wenn irgendetwas real oder sprichwörtlich zum Himmel stinkt. Ansonsten begegnet uns die Pest heutzutage kaum noch.

Dass dies nicht immer so war, davon zeugen die sogenannten “Pesthellchen” oder in Mundart “Hellchehaisje”.

Was ist die Pest eigentlich?

Allgemeines zur Pest

Die Pest ist eine Infektionskrankheit, die im Mittelalter vor allem von Ratten auf Flöhe und von Flöhen auf den Menschen übertragen wurde. Sie wird hervorgerufen durch das Bakterium Yersina Pestis, das 1894 von dem Artzt Alexander Yersin entdeckt wurde. 
Man unterscheidet vier Pestvarianten. Am bedeutendsten sind Beulen- und Lungenpest. Die Übertragung der Beulenpest erfolgt durch Flöhe von Ratten (Bild: Rattenfloh) und anderen Nagetieren. Auch Menschenflöhe kommen als Überträger in Frage. Zunächst entstehen  schwarze Flecken auf der Haut an der Stelle, an der der infizierte Floh den Mensch gebissen hat.  Danach bekommt der Erkrankte eitrige dunkle Beulen oder Bubonen. Starkes Fieber und Gliederschmerzen zählen auch zu den Symptomen.

Die Lungenpest wird von Mensch zu Mensch übertragen. Wenn die Lunge befallen ist, kommt es zu Tröpfcheninfektionen. Fieber, blutiger Husten, Atemnot und blaue Lippen sind häufige Symptome Die Lungenpest verläuft in den aller meisten Fällen tödlich.
Da die hygienischen Verhältnisse im Mittelalter schlecht waren und Ratten sowie Mäuse zum Alltag gehörten, verbreitete sich die Pest in dieser Zeit rasant.
Auch heute noch macht die Pest immer wieder Schlagzeilen, wie z.B. im Oktober 2017 in Madagaskar, wo über 200 Todesopfer gezählt wurden. Man kann bei rechtzeitiger Entdeckung die Pest heute gut mit Antibiotika behandeln.

Quellen: https://www.planet-wissen.de/geschichte/mittelalter/leben_im_mittelalter/pwiederschwarzetoddiepestwuetetineuropa100.html

Bild des Rattenflohls ist handgemalt nach dem Bild von: www.environmentalscience.bayer.it

https://www.geo.de/geolino/mensch/13515-rtkl-die-pest-der-schwarze-tod-des-mittelalters

Übertragung der Pest
Rattenfloh

Das Pest-Bakterium wird durch einen Floh vom Nagetier (Ratte, Maus,…) auf den Menschen übertragen. Nachdem der Floh das Blut eines infizierten Nagers aufgesogen hat, bildet Yersimia Pestis im Vormagen des Flohs einen Biofilm aus, der zur Blockade weiterer Nahrungsaufnahme führt. Der ausgehungerte Floh verlässt das Nagetier und sucht sich einen neuen Wirt. Diesen sticht er mehrfach, wobei der Floh aufgrund der Blockade im Vormagen das aufgenommene infizierte Blut wieder in den Wirt erbrechen muss. So gelangt das Bakterium beispielsweise von der Ratte zum Mensch.

Quelle: Marcel Keller in: LWL-Museum für Archäologie, ­West­fälisches Landesmuseum Herne (Hrsg.): Pest! Eine Spurensuche. wgb Theiss, Darmstadt 2019, S.31-47

Wie fand der “Schwarze Tod” in den Kahlgrund

Das 17. Jahrhundert war eine Zeit voller Krisen: Zunächst führte eine metereologische „kleine Eiszeit“  zu Missernten, denen eine Hungersnot folgte. Dazu kam der Dreißigjährige Krieg, der  von 1618 bis 1648 währte. Armut, Hunger und  schlechte hygienische Bedingungen führten zur Entstehung von Seuchen. Mehrere Pestwellen gingen durchs Land und verbreiteten sich in ganz Europa.

Das große Sterben machte nicht an den Stadttoren halt, sondern herrschte auch auf dem Land. Durch die Markttage und den Handel gab es einen regen Austausch zwischen den Städten und der ländlichen Regionen. So verbreitete sich auch die Pest rasant. In Mömbris gab es große Verluste. Hier wütete die Pestwelle in den Jahren nach 1635 besonders schlimm. Bestand Mömbris vorher auf 12 Familien, war später nur noch eine Witwe übrig, die man „die Pfeiferin“ nannte.  In Strötzbach hatten vor der Pest 8 Familien gelebt, nachher nur noch Hans Kaltwasser und Hans Heininger. Die Zahlen, die Wilhelm Preisinger in den Aschaffenburger Geschichtsblättern veröffentlicht, zeigen die hohen Verluste, die der Krieg und die Seuche mit sich brachten

OrtschaftAnzahl/Familien 1618Überlebende 1650Name der Überlebenden
Mömbris12 Untertanen (Familien)1“Die Pfeiferin”, eine Witwe
Strötzbach8 Untertanen (Familien)2Hans Kaltwasse Hans Heininger
Brücken4 Untertanen (Familien)1Michael Neff
Rappach8 Untertanen (Familien)1Paul Kulmann
Hohlunklarkeiner, ausgestorben 
Gunzenbach7 Untertanen3Philipp Reußing, Jakob Schneider, Nikolaus Jäger
Rothengrund4 Untertanen2Hans Brückenheimer, Peter Wissel
Heimbach5 Untertanen1Hans Faidt

Steiner, Johann Wilhelm Christian: Geschichte und Topographie des Freigerichts Wilmundsheim vor dem Berge Freigerichts Alzenau bei Gelnhausen und Seligenstadt. Mit Anhang: Geschichte der Herrschaft Geiselbach und Beschreibung der Schlacht bei Dettingen. Aschaffenburg 1820, Seite 284ff

In ihrer Dissertation über die Pest im Spessart berichtet Gertrud Lindner:„In Schimborn blieb nur ein junger Mann namens Glaab übrig, der auf dem Hauhofe als Knecht gedient hatte, dann aber im Kaiserlichen Heer Kriegsdienst angenommen hatte. Nach geschlossenem Frieden kehrte er in seinen menschenleeren Geburtsort zurück und mit ihm Peter Rosenberger aus Urspringen, der wie er im kaiserlichen Heer gedient hatte und Leibjäger eines hohen Offiziers gewesen war. Rosenberger hatte eine Frau aus Köln und Glaab verehelichte sich auch bald, und beide Paare begannen Schimborn wieder aufzubauen“.

Katrin Kober: Pestis in Moguntiaco – Die Pest von 1666/67 im Kurfürstlichen Mainz. In: regionalgeschichte.net

Gertrud Lindner 1949 ”Die Pest in Aschaffenburg und dem Mainviereck”(Diss.med.Frankfurt M.)

Und wie bekämpfte man die Pest?

Wie erklärte man sich die Pest und was tat man, um die Verbreitung zu stoppen?

Die Menschen hielten die Pest damals für eine Strafe Gottes. Durch Gebete, Wallfahrten, Buße, Gelöbnisse und Fasten versuchte man, Gottes Erbarmen zu erwerben, Hilfe zu erbitten und damit die Pestnot abzuwenden. Es gab Schutzamulette und sogenannte “Schluckbildchen”, die vor der Krankheit schützen sollten.  War man verschont geblieben oder gar genesen, dankte man Gott und brachte diesen Dank ebenso zum Ausdruck. Bildstöcke und kleine Kapellen wurden in dieser Zeit errichtet, so auch in Mömbris.

Um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen, wurden große Menschenansammlungen verboten: Wochenmärkte und Messen sagte man ab, der Handel mit infizierten Regionen eingestellt, größere Kirchenfeste ausgesetzt und Universitäten geschlossen. Neben diesen Maßnahmen vermied man auch den Kontakt zu bestimmten Berufs- und Personengruppen, die viel im Land herumkamen und Seuchen einschleppen konnten. War ein Haus betroffen, wurde es markiert und unter Quarantäne gestellt. Niemand durfte das Haus betreten oder verlassen.  Man wusste, dass sich die Pest auf verschiedenen Wegen ausbreitete: Dreck und Unrat in den Straßen waren der Ausbreitung der Seuche förderlich. Der Kontakt mit den Kranken selbst führte zur Ansteckung, aber auch ihre  Kleidung, die nach dem Tod des Pestkranken zunächst weiter verwendet wurde, übertrug den Rattenfloh und damit die Infektion.  Dies wurde allerdings bald erkannt und verboten.

Katrin Kober: Pestis in Moguntiaco – Die Pest von 1666/67 im Kurfürstlichen Mainz. In: regionalgeschichte.net

Gertrud Lindner: Die Pest in Aschaffenburg und dem Mainviereck. Mit einem Anhang der epidemischen Krankheiten bis zum 19. Jahrhundert. Aschaffenburg 1949.

Medizinische Maßnahmen zur Bekämpfung der Pest

Um die Pestkranken zu heilen versuchte man, die Pestbeulen mit Leinenpflastern aufzuweichen und anzuschneiden, damit Blut und Eiter abfließen konnten, oder sie mit einem heißen Eisen auszubrennen.

Als Präventionsmaßnahme empfahl man Aderlässe, Einläufe und häufiges Waschen mit Wein und Essig.  „Unreine Luft“, sog. „Miasmen“, die als Überträger der Pest galt, musste gemieden und durch gute Gerüche beseitigt werden. Dazu empfahl man das Räuchern mit Kräutern wie Lavendel, Salbei und Myrrhe. Weiße Meerzwiebel sollte zusammen mit Weinraute und Holunderblüten in Essig angesetzt und auf einem erhitzten Ziegelstein verdampft werden.

Allerdings halfen diese Maßnahmen nicht wirklich gegen die Pest. War man infiziert, trat der Tod häufig schon nach wenigen Tagen ein. Die Sterblichkeit war sehr hoch. 1625 starben z.B. in Hörstein täglich 19 Personen, innerhalb weniger Wochen gab es 400 Tote. Nur 20% der Erkrankten (jeder fünfte) überlebten. Um sich vor der Krankheit zu schützen und ihre Verbreitung einzudämmen, war das wirksamste Mittel die Quarantäne. Auch das Sauberhalten der Straßen und Städte und das Verbot, gebrauchte Kleidung zu kaufen, nahmen der Pest den Spielraum.
 Erst im Jahr 1894 gelang es dem  Arzt Alexander Yersin, der das Pest-Bakterium entdeckt hatte, auch den ersten Impfstoff herzustellen.

https://www.geo.de/geolino/mensch/13515-rtkl-die-pest-der-schwarze-tod-des-mittelalters

 Katrin Kober: Pestis in Moguntiaco – Die Pest von 1666/67 im Kurfürstlichen Mainz. In: regionalgeschichte.net

Gertrud Lindner 1949 ”Die Pest im Spessart und im Mainviereck”(Diss. med. Frankfurt M.)